Abdullah Ibrahim & Ekaya - Sotho Blue
10.10.2013 11:11 von jazz (Kommentare: 0)

Intuition INT 3433 2
Die Verbindung von Jazz und Folklore aus Südafrika ist untrennbar mit der Person Abdullah Ibrahims verbunden, der einst als Dollar Brand nach Europa kam, von Duke Ellington entdeckt wurde und sich heute diesem offenbar wieder nähert. Jedenfalls klingt seine CD „Sotho Blues“ mit Neuinterpretationen von Songs aus den zurückliegenden 25 Jahren jazziger und ist nicht mehr von jener überbordenden Hymnik und dem beschwörenden, repetitiven Spiel dominiert, die seine Trio-und Solo-Einspielungen so hypnotisch wirken ließen.
Dies liegt nicht nur, aber auch daran, dass er die Ekaya-Gruppe aus dem Beginn der 80er Jahre wiederentdeckt hat und vier Bläser den Sound des Trios mit Bass, Schlagzeug und ihm am Flügel ausweiten lässt. Das Titelstück weckt in seinen Klangfarben Assoziationen an den Duke. In “Abide“ wiederum greift der inzwischen legendäre und in seiner Art unerreichte Künstler wie bislang in die Tasten – meditativ, poetisch und hymnisch. Insgesamt jedoch präsentiert Ibrahim mit Ekaya einen Sound, der minimalistischer, ja fast nüchterner anmutet, stärker swingt, Choräle, Gospel und Blues hintergründig einbezieht und vor allem in den Soli von Posaune und Saxophonen aber auch des Bassisten wie in Nisa eher am Jazz als an der Afrika-Folklore orientiert ist. Ganz anders wiederum in „Mountain“ mit dem Flötisten Cleave Guyton oder in „Glass Enclosure“.
Ekaya bedeutet für Abdullah Ibrahim „Heimat“ im mehrfachen Sinn – Verwurzelung in der Tradition Südafrikas und der von New Orleans. Insofern ist „Sotho Blue“ musikalisch abwechslungsreicher als zurückliegende Einspielungen, was aber nicht bedeutet, dass jene im Vergleich an Spannung und Emotionalität geringer zu achten wären. „Sotho Blue“ist eben nur ein bißchen anders – vielleicht auch ein wenig „jünger“.
(km)


