Norbert Stein „Pata Horns & Drums“ - Silent Sitting Bulls

10.10.2013 10:52 von jazz (Kommentare: 0)

 


Pata Music 20


Das Saxophon schreit schrill, das Euphonium grummelt in den Tiefen, die Flöte sirrt und flirrt, das Schlagzeug füllt den musikalischen Raum der drei Bläser, die umeinander spielen und parlieren mit einem treibenden Pulse. Der Komponist und Musiker Norbert Stein folgt auch mit seinem neuen Quartett „Pata Horns & Drums“ der surrealen und irrealen Logik des Dada-Philosophen Alfred Jarry im weiten Feld der paranormalen Pataphysik.


Die Mehrstimmigkeit der in den Klangfarben kontrastierenden Instrumente Tenorsaxophon, Flöte und Euphonium mündet hin und wieder in kreisenden Unisonopassagen, die treibenden wilden Klänge einer „Nondual Action“ in sanfte, Passagen zur Eröffnung von „Paradise Lost“, bevor dieser scheinbare Wohlklang zerfasert und wieder zusammengeführt wird oder in ein tänzerisches Solo des Euphoniums mündet. In „Schleuderhonig“ assoziiert die Flöte das Summen von Bienen. Ob nun freitonal oder in klassischer Harmonie, archaisch oder kunstvoll, immer ist die Musik berstend lustvoll und erfüllt von abgründigem Humor. 

 

Der Komponist spielt mit Klangfarben, die die Musiker ausweiten und auskosten. Gleiches gilt für die vielfältigen Metren, mit denen erfrischende Abwechslung geschaffen wird, wenn die Interaktionen mal in die Gefahr der Routine geraten. Verspieltheit kennzeichnet ein Duo des Percussionisten und Flötisten in „This is you“, verdeckter Swing“ Teile von „Quantum Mechanics“, umspielendes Geschnatter und traditionelle Ästhetik sowie ein faszinierendes Trommelsolo Passagen von „Miao & Chiao“.

 

Mit „Silent Sitting Bulls“ schaffen Stein und seine „Pata Horns & Drums“ eine vielschichtige und vor allem unterhaltsame Melange aus Avantgarde und Tradition, die mehrfaches Anhören samt Klangforschung erfordert und lohnt. 

 

(km)

Zurück